„Es kommt immer darauf an, die Kameradinnen und Kameraden vor Ort abzuholen und einzubinden“
Artikel vom 15. Oktober 2026
Vor Zehn Jahren, am 15. Oktober 2016 wurde Robert Buder zum Vorsitzenden der Kreisfeuerwehrverbandes Spree-Neiße e.V. gewählt. Und so sah er damals aus. Seitdem hat sich viel verändert, manche Herausforderung ist aber auch die gleiche geblieben. Im Interview blicken wir zurück und nach vorne. Das Gespräch führte der Vorstand für Öffentlichkeitsarbeit, Sascha Erler.
Sascha:
Wir machen eine kleine Zeitreise ganz zum Anfang, zehn Jahre zurück. Du hattest bereits Verbandserfahrung gesammelt. Als Fachbereichsleiter, anschließend als amtierender Kreisjugendwart. Dann hast Du Dich entschlossen zu kandidieren. Jetzt so ein bisschen Hand aufs Herz: Hast Du ein bisschen Bammel gehabt damals?
Robert:
Bammel hat man immer, wenn man so ein Amt übernimmt. Ich habe aber auch gemerkt, es macht Spaß, sich für die Interessen unserer Feuerwehren und der Kameradinnen und Kameraden einzusetzen. Deshalb hab ich auch meine Bereitschaft erklärt.
Sascha:
Und war das ungefähr, wie Du es erwartet hast oder war das jetzt komplett anders ?
Robert:
Ich kannte die Strukturen, ich kannte viele Ansprechpartner, auch aufgrund der beruflichen Tätigkeit, damals im Sachgebiet Brand- und Katastrophenschutz im Landkreis. Das war dann eben schon ein leichterer Einstieg, als wenn man jetzt komplett von außen reinkommt.
Sascha:
Du warst ja damals gerade mal 29 Jahre alt und vermutlich einer der jüngsten Vorsitzenden eines Kreisverbandes?
Robert:
Der jüngste Vorsitzende bei Amtsantritt dürfte Frank Kliem in Oberhavel gewesen sein. Doch damals war ich tatsächlich der jüngste. Einige Monate später kam gleich Sebastian Lehmann aus OSL dazu.
Sascha:
Dann wart Ihr quasi die beiden jungen Wilden aus dem störrischen Süden? Oder wie wurdet Ihr wahrgenommen?
Robert:
Ich wurde jederzeit mit offenen Armen empfangen, auch beim damaligen Präsidenten des LFV. Die kannten mich ja als amtierenden Kreisjugendwart und die kannten auch die Auffassung von Spree-Neiße. Die war und ist ja auch immer innerhalb des Hauses mit dem Kreisbrandmeister abgesprochen. Und ja, da hat der Süden oft eine andere Meinung. Wobei wir ja immer sehr aktiv und fachlich zugearbeitet haben, um Dinge und Abläufe zu verbessern. Sicherlich gab es den einen oder anderen Moment wo man dachte: Warum ruft der Buder jetzt schon wieder an? Aber es ging ja immer um die Sache.
Sascha:
Was waren denn so die Themen, die Dich in den 10 Jahren besonders bewegt haben? Was ist gut gelaufen? Was hättest Du gerne anders gemacht?
Robert:
Eine große Herausforderung war die Frage nach den Strukturen und dem Kontakt zur Basis. Wir haben in dem Zeitraum eine komplett neue Struktur des Verbandes entwickelt mit der Auflösung der Unterverbände und der Doppelstruktur der Kreisjugendfeuerwehr. Und es kommt immer darauf an, die Kameradinnen und Kameraden vor Ort abzuholen und einzubinden. Und das ist uns recht gut gelungen. Viele Vorstandsmitglieder sind ja auch vor Ort sehr aktiv und sich nicht zu schade, auch mal selbst am Strahlrohr zu stehen. Wichtig ist auch, bei Jahreshauptveranstaltungen oder Jubiläen Präsenz zu zeigen. Ein anderer wichtiger Teil ist es, die Interessen der Feuerwehr in Richtung Politik zu vertreten und durchzusetzen. Und da fehlt es mir an Verlässlichkeit. Zusagen, die einmal gemacht werden, müssen auch eingehalten werden. Ich habe in meiner Amtszeit jetzt den fünften oder sechsten Innenminister und wir sprechen immer noch über die Novellierung des Brand- und Katastrophenschutzgesetzes und moderne Infrastruktur. Vor neun Jahren haben wir mit dem ehrenamtlichen Bürgermeister von Werben den Ministerpräsidenten angeschrieben mit der Idee eines Musterfeuerwehrhauses, um bei Planung und Bau zu sparen. Uns wurde vom Innenministerium erklärt, das geht nicht. Und andere Bundesländer machen es und jetzt vor, wie beispielsweise Mecklenburg-Vorpommern. Das Einzige, was wirklich umgesetzt wurde, ist die Tätigkeitsverordnung und das wurde auch gut umgesetzt. Beim Prämien- und Ehrenzeichengesetz gab es viele Diskussionen um die Auszahlung und was anerkannt wird als Stunden. Das wurde dann schließlich gerade gezogen.
Sascha:
Lass und mal einen Blick in die Zukunft wagen. 10 Jahre sind jetzt rum, die Amtszeit endet in anderthalb Jahren, was hast du dir so vorgestellt für die nächsten Jahre?
Robert:
Also grundsätzlich müssen wir ja sagen, der Verband ist nicht der Vorstandsvorsitzende alleine. Das haben wir sehr gut dargestellt in der Strukturänderung 2020. Wir sind ein menschlich und fachlich sehr gut aufgestellter Vorstand, auch von der Führungsausbildung her. Sicherlich macht es Spaß, aber man muss aufpassen, dass man nicht irgendwann in der eigenen Wolke schwebt und nicht mehr ankommt draußen in der breiten Fläche und den Bezug verliert. Dann wird man sicherlich den Posten nicht ewig ausüben. Ich bin niemand, der an seinem Stuhl klebt, wenn der Rückhalt nicht mehr da ist. Ich glaube, wir machen da schon eine sehr gute Arbeit als Team. Doch man muss sich tatsächlich die Frage stellen, wie lange dieses Pensum noch im Ehrenamt leistbar ist. Denn man merkt schon, dass der ein oder andere abgeschreckt wird, der eigentlich gerne mitmachen würde. Wir sind aber für alle Mitstreitenden dankbar. Auch für die, die sagen: Ich würde es anders oder besser machen.
Sascha:
Danke für die letzten Zehn Jahre und ich freue mich auf eine weitere gute Zusammenarbeit!
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